Novum: EBITDA bricht 2025 um 59 Prozent ein
Das EBITDA von Novum Hospitality brach 2025 um 59 Prozent auf 33,4 Mio. Euro ein. Hinter den Zahlen steckt die laufende Umflaggung auf IHG-Marken – ein kalkulierter Ertragseinbruch mit Gesamtinvestitionen von 48,5 Mio. Euro.

Das EBITDA von Novum Hospitality brach 2025 um 59 Prozent ein, von 82,2 auf 33,4 Millionen Euro. Der Umsatz der Hamburger Gruppe ging weit schwächer zurück, um 4,3 Prozent auf 450,9 Millionen Euro, wie das Unternehmen am 5. Oktober 2026 mitteilte. Die Schere zwischen Erlös- und Ertragsentwicklung erklärt sich laut ahgz aus der laufenden Umflaggung des Portfolios auf Marken der InterContinental Hotels Group (IHG).
Was die Zahlen 2025 zeigen
Beim GOP (Gross Operating Profit, dem Betriebsergebnis vor Fixkosten wie Pacht und Abschreibung) fiel Novum laut Tophotel von 204,1 auf 151 Millionen Euro, ein Minus von 26 Prozent. Der RevPAR (Erlös pro verfügbarem Zimmer) sank von 60,50 auf 59,20 Euro.
Dass der Gewinn stärker einbricht als der Umsatz, ist der eigentliche Belastungsindikator. Werden Zimmer während des Umbaus stillgelegt, verschwindet margenstarker Umsatz, während Fixkosten und Investitionslasten weiterlaufen.
Dazu kommt ein Basiseffekt. 2024 war für Novum ein Ausnahmejahr mit einem Umsatzplus von rund 13 Prozent, getragen laut Tophotel von der Fußball-EM 2024, starker Messenachfrage sowie Neueröffnungen und Modernisierungen. Dieser Sondereffekt fehlt 2025. Der Vergleichsmaßstab lag also ungewöhnlich hoch.
Die 48,5-Millionen-Rechnung hinter dem Rebranding
Novum beziffert die Investition in Rebranding, Modernisierung und sogenannte Quality Improvement Plans für 2025 auf 35 Millionen Euro. Bis Ende 2026 sollen sich die Gesamtinvestitionen laut ahgz auf 48,5 Millionen Euro summieren. Die vollständige Integration der Bestandshotels plant Novum für Mitte 2027.
Der Umbau läuft in Etappen. 2025 überführte Novum laut Tageskarte 40 Bestandshotels in die IHG-Systeme, davon 35 unter die Midscale-Conversion-Marke Garner und fünf auf Candlewood Suites. Der Gesamtdeal ist größer: Zwischen 2024 und 2028 nimmt IHG laut Hotel Management Network 108 Novum-Hotels mit 15.334 Zimmern sowie elf im Bau befindliche Häuser mit 2.369 Zimmern ins System auf. Der Franchisevertrag läuft über 30 Jahre und enthält eine Exklusivitätsklausel für künftige Novum-Projekte. IHG steuert laut THP News Key Money bei, also einen Zuschuss des Markengebers zur Finanzierung der Umflaggung.
Die Durststrecke ist damit kein Betriebsunfall, sondern kalkuliert. Die Umbaukosten fallen sofort an, die Erlöse brechen im selben Jahr ein, in dem Zimmer vom Markt gehen. Der Ertrag aus Markenanschluss und globalem Vertrieb kommt erst danach.
Was neben dem Umbau noch belastet
Den Umsatzrückgang trägt nicht allein das Rebranding. Das Pachtmodell von Novum geriet 2026 an mehreren Stellen unter Druck. Ende Juni 2026 kündigte das Unternehmen laut dashotellerie in zwei Mainzer Häusern allen rund 50 Beschäftigten fristlos und ersetzte sie durch Leiharbeitskräfte. Den Betrieb des Garner Hotel Rüsselsheim stellte Novum mit sofortiger Wirkung ein.
Im September 2026 folgte die Schließung des Crowne Plaza Frankfurt Congress Hotel in Niederrad. Novum begründete den Schritt laut hessenschau mit Gebäudemängeln. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer, dem französischen Unternehmen Praemia, lief laut ad-hoc-news ursprünglich bis mindestens 2037, ausstehende Mietzahlungen sollen sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Parallel leitete Novum laut Tageskarte ein Statusverfahren zum Aufsichtsrat ein; die Ära des paritätisch besetzten Kontrollgremiums endete, wie hotelvor9 berichtet.
Lohnt sich die Wette für Owner-Operators?
Novum bleibt vollständig in Familienbesitz, IHG liefert Marken und Vertrieb. CEO David Etmenan ordnet das Jahr als strategische Vorbereitung ein. „2025 war für uns ein Jahr, in dem wir die strategischen Grundlagen für die weitere Entwicklung unseres Unternehmens konsequent vorangetrieben haben“, sagte er laut ahgz. Die Investitionen seien darauf ausgerichtet, die Wettbewerbsfähigkeit des Portfolios langfristig zu stärken. Gegenüber hospitalityinside formulierte er den Stand nüchtern: „Wir befinden uns noch im Onboarding“, eineinhalb Jahre nach dem Anschluss an IHG.
Für DACH-Hoteliers mit eigenen Conversion-Plänen liegt der Lerneffekt im Timing. Eine Umflaggung ist kein Marketingprojekt, sondern ein Eingriff in die Ertragsstruktur. Wer Bestandshäuser auf eine neue Marke zieht, muss mit einem Jahr rechnen, in dem RevPAR und GOP nachgeben, weil Zimmer wegen Modernisierung vom Netz gehen und Quality-Programme Geld kosten, bevor sie Umsatz bringen. Der Fall Novum zeigt die Größenordnung: Der Umbau von rund 40 Häusern reichte, um das EBITDA mehr als zu halbieren.
Für die Finanzplanung heißt das: Rückstellungen für die Umbauphase großzügig kalkulieren, nicht knapp. Key Money des Markengebers federt einen Teil der Konversionskosten ab, deckt sie aber nicht vollständig. Und die Durststrecke rechnet sich nur, wenn der Markenanschluss anschließend messbar höhere Raten und bessere Auslastung liefert als die alte Positionierung. Ob die 48,5-Millionen-Investition diesen Beweis antritt, zeigt sich frühestens nach der vollständigen Integration Mitte 2027, also in den Geschäftszahlen 2027 und 2028. Die operativen Probleme im Rhein-Main-Gebiet belegen zugleich, dass ein starker Markenpartner die Risiken des Pachtmodells nicht neutralisiert.
Quellen
- ahgz – Geschäftszahlen: Novum büßt Umsatz ein
- Tageskarte – Novum Hospitality: Gesamterlöse 2025 und IHG-Integration
- Tophotel – Novum-Kennzahlen 2025 und Vergleichswerte 2024
- IT-Boltwise – Novum Hospitality Gesamterlöse 2025
- Hotel Management Network – IHG and Novum franchise agreement
- THP News – IHG Key Money und Novum-Konversion
- hogapage – Novum Hospitality Portfolio
- hotelvor9 – Crowne Plaza Frankfurt, Aufsichtsrat und IHA-Wiedereintritt
- dashotellerie – Kündigungen Mainz und Betriebseinstellung Rüsselsheim
- hessenschau – Schließung Crowne Plaza Niederrad
- ad-hoc-news – Mietvertrag und ausstehende Zahlungen Crowne Plaza
- hospitalityinside – Etmenan zum IHG-Onboarding
- HOTELSMag – Etmenan zum IHG-Deal
- Hospitality Investor – Elie Maalouf zum Novum-Deal
- hotelier.de – IHA- und DEHOGA-Wiedereintritt Novum
- t-online – Samira Etmenan zur Crowne-Plaza-Schließung
- DLA Piper – IHG/Novum Markenkonversion 2024


