Odyssey übernimmt 1.260 Zimmer von Covivio in Berlin, Leipzig und Potsdam
1.260 Zimmer in vier Häusern: Die Odyssey Hotel Group managt ab sofort das Westin Grand Berlin, das Westin Leipzig, das Radisson Blu Leipzig und das Mercure Potsdam City – Eigentümer Covivio behält die Immobilien.

1.260 Zimmer in vier Häusern, drei Städte, ein Betreiberwechsel: Die niederländische Odyssey Hotel Group managt künftig das Westin Grand Berlin, das Westin Leipzig, das Radisson Blu Leipzig und das Mercure Potsdam City. Eigentümer der Immobilien bleibt der französische Immobilienkonzern Covivio. Die Managementverträge (HMA – Hotel Management Agreements, bei denen der Betreiber ein Haus im Auftrag des Eigentümers führt) unterzeichneten die Parteien laut Tageskarte am 3. August 2026.
Verkauft wird nichts. Covivio behält die vier Gebäude und gibt nur den operativen Betrieb ab. Institutionelle Eigentümer ziehen Besitz und Betrieb konsequent auseinander – der Deal ist dafür ein Musterfall.
Was Odyssey jetzt übernimmt
Das größte Haus im Paket ist laut HOGAPAGE das Westin Leipzig mit 436 Zimmern, 49 Konferenzräumen und 4.810 Quadratmetern Veranstaltungsfläche. Das Westin Grand Berlin an der Friedrichstraße bringt 400 Zimmer und elf Konferenzräume mit 687 Quadratmetern ein. Dazu kommen das Radisson Blu Leipzig mit 214 Zimmern und zehn Tagungsräumen und das Mercure Potsdam City mit 210 Zimmern und 13 Konferenzräumen.
Zusammen ergibt das nach Angaben von Tageskarte 1.260 Zimmer und mehr als 6.500 Quadratmeter Meeting- und Veranstaltungsfläche. Der MICE-Anteil (MICE – Meetings, Incentives, Conventions, Events, also das Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft) liegt bei diesen Häusern hoch, was sie für einen spezialisierten Betreiber attraktiv macht.
Für Odyssey ist es ein spürbarer Sprung. Das Portfolio wächst laut Tageskarte von rund 4.200 auf mehr als 5.400 Zimmer. Die Gruppe kommt damit auf 30 Hotels in sechs europäischen Ländern: Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Belgien, Schweden und Finnland, wie Tophotel.de auflistet. Der Anteil des Premiumsegments steigt auf nahezu die Hälfte aller betriebenen Zimmer.
Wer hinter dem Deal steht
Odyssey wurde nach Unternehmensangaben 2012 in Breda gegründet. Ursprünglich lag der Fokus auf mittelgroßen Städten, überwiegend als Franchisenehmer von Marriott und IHG. Den Kurswechsel zur Third-Party-Plattform trieb der Eigentümer voran: Die Private-Equity-Gesellschaft ActivumSG erwarb laut HOGAPAGE im Dezember 2020 zunächst eine Mehrheit und ist inzwischen Alleineigentümer. Bis 2028 will Odyssey das Portfolio von rund 4.500 auf 8.000 Zimmer ausbauen, berichtet Hotelier.de.
Auf der Eigentümerseite steht mit Covivio ein Schwergewicht. Ende Juni 2026 hielt Covivio Hotels laut WebDisclosure 278 Hotels mit 39.672 Zimmern im Wert von 6,3 Milliarden Euro. Verpachtete Hotels machen 59 Prozent des Portfolios aus, bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit von elf Jahren. Der Konzern-Nettogewinn lag 2025 laut Covivio bei 308 Millionen Euro nach 225 Millionen Euro im Vorjahr.
Odyssey-CEO Gonzalo Carpintero Navarro ordnet den Abschluss als Positionswechsel ein:
„Wir haben uns bereits als Hotelbetreiber und Entwicklungspartner etabliert. Nun unterstreichen wir zusätzlich unsere Kompetenz als professioneller Hotelmanager, dem führende institutionelle Eigentümer vertrauen.“
ActivumSG-Managing-Director Bernardo Lazcano beschreibt gegenüber HOGAPAGE die Nachfrageseite: Eigentümer suchten zunehmend erfahrene Betriebspartner, die die Performance ihrer Hotels steigern und den Immobilienwert nachhaltig maximieren könnten.
Die Vorgeschichte
Das Westin Grand Berlin gehört Covivio seit 2005, das Gebäude selbst stammt aus dem Jahr 1873. Bislang lief das Haus unter Marriott-Management, eine Folge der Fusion von Starwood und Marriott 2016. In Berlin war Odyssey schon vor diesem Deal aktiv: Im April 2026 übernahm die Gruppe laut THP News das Management eines dual-branded Clusters aus Moxy (101 Zimmer) und AC Hotel (132 Zimmer) am Humboldthain Park.
Der Zeitpunkt fällt in eine angespannte Phase des Betreibermarkts. Im Januar 2026 meldete die Revo-Hospitality-Gruppe, Franchisenehmer von Marken wie Pullman und Hyatt, für rund 140 ihrer Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Charlottenburg an, wie das Handelsblatt berichtete. JLL-Expertin Heidi Schmidtke nennt diese Insolvenz das prägende Ereignis des Betreibermarkts im ersten Halbjahr 2026. Welcher Betreiber die vier Covivio-Häuser unmittelbar vor Odyssey führte, ist bis auf das Westin Grand Berlin nicht durchgängig belegt.
Was das für die Branche heißt
Für den DACH-Markt liest sich der Deal als Vorlage. Eigentümer wie Covivio wollen keine Betriebsrisiken tragen, sondern Immobilienwerte sichern. Der Betrieb wandert zu spezialisierten Third-Party-Managern, die auf HMA-Basis arbeiten. Colliers-Hotelchef Ewald sagt dazu, die Trennung zwischen Eigentümer und Betreiber werde durchlässiger und der Markt professionalisiere sich.
Das verändert mehrere Ebenen im Tagesgeschäft. Das Markenmandat wird beweglicher: Odyssey führt mit Westin, Radisson Blu und Mercure drei fremde Marken parallel, die Bindung an eine einzelne Kette lockert sich. Die Verantwortung für Erträge verschiebt sich vom Eigentümer zum Manager, der an Performancezielen gemessen wird. Und der Wechsel trifft die Belegschaft direkt: neue Berichtslinien, neue Standards, häufig neue Betriebsführung vor Ort.
Wer als General Manager oder F&B-Verantwortlicher in einem eigentümergeführten Haus arbeitet, sollte den Mechanismus kennen. Vollzieht ein institutioneller Eigentümer einen Betreiberwechsel, entscheidet nicht der Standort über die Zukunft, sondern der Vertrag. Für Betriebe, die selbst als Pächter oder Franchisenehmer agieren, erhöht die Revo-Insolvenz den Druck, Bilanz und Vertragslaufzeit sauber zu halten. Eigentümer prüfen Betreiber inzwischen genauer, HMA-Modelle mit klaren Leistungskennzahlen gewinnen gegenüber der klassischen Festpacht an Boden.
Quellen
- AHGZ – Odyssey managt vier Hotels von Covivio in Deutschland
- Tophotel.de – Odyssey managt vier Covivio-Hotels in Deutschland
- Tageskarte – Odyssey übernimmt Management von vier Covivio-Hotels
- HOGAPAGE – Odyssey managt vier Hotels von Covivio
- Hotelier.de – Odyssey Hotel Group Wachstumsziel 8.000 Zimmer
- WebDisclosure – Covivio Hotels Portfolio Juni 2026
- Covivio – Covivio Hotels Portfolio und Jahresergebnisse
- THP News – Odyssey übernimmt Moxy und AC Hotel Berlin Humboldthain Park
- Handelsblatt – Revo Hospitality meldet Insolvenz an
- JLL – Hotelbetreibermarkt erstes Halbjahr 2026
- Hotel Inside – Colliers zur Trennung von Eigentümer und Betreiber
- Konii – Statements Carpintero und Lazcano zum Odyssey-Covivio-Deal
Quelle: Originalmeldung


