Mittwoch, 7. Oktober 2026
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Oktoberfest 2026: ADR hält, Auslastung fällt auf 70,9 Prozent

Zwei Datensätze, zwei Richtungen: Während RateGain ein Buchungsplus von 36 Prozent meldet, misst Amadeus eine Auslastung von 70,9 Prozent – 5,3 Punkte unter dem Vorjahr.

Hotelrezeptionist prüft Auslastungsliste an Tresen, München, Morgenlicht, von hinten fotografiert
Symbolbild · KI-generiert

Plus 36 Prozent Hotelbuchungen in München gegenüber dem Vorjahr – das meldet die AHGZ am 7. Oktober 2026 für das Oktoberfest 2026, gestützt auf eine Analyse von RateGain und Sojern. Der Datenanbieter Amadeus misst für denselben Zeitraum eine Auslastung von 70,9 Prozent, ein Minus von 5,3 Punkten gegenüber den 76,2 Prozent des Vorjahres. Zwei Zahlen, zwei Richtungen. Die relevante Frage: Welche davon beschreibt den Münchner Markt?

Eine Zahl, eine Quelle

Die Ausgangsmeldung ist knapp. Im Kern steht die Aussage, dass die Buchungen auf den Plattformen von RateGain in München 2026 um 36 Prozent über dem Niveau von 2025 lagen. Belegt ist diese Prozentzahl bislang nur durch die AHGZ-Meldung selbst. Eine eigenständige RateGain- oder Sojern-Mitteilung speziell zum Oktoberfest 2026 mit dieser Angabe ließ sich nicht auffinden.

Das Oktoberfest 2026 lief laut munichtourism.org vom 19. September bis 4. Oktober, also über 16 Tage. Für diesen Zeitraum und den Vorlauf liefern mehrere Anbieter Daten. Sie zeichnen ein nüchterneres Bild als die 36-Prozent-Schlagzeile.

Vier Anbieter, ein gemeinsamer Nenner

Laut Amadeus lag die ADR (average daily rate, durchschnittliche Zimmerrate pro Tag) im dreiwöchigen Wiesn-Zeitraum bei 326 Euro, ein Plus von 0,8 Prozent. In der Spitzenwoche vom 20. bis 27. September erreichte die Auslastung 78 Prozent bei einer ADR von 368 Euro, 3,9 Prozent über dem Vorjahr. Die Preise halten, das Volumen gibt nach.

Ähnlich das Bild bei Lighthouse. Wie tageskarte.io am 21. September unter Berufung auf Lighthouse-Manager Philipp Stelzer berichtet, erreichte der Buchungsstand am 17. September 84,7 Prozent – rund sieben Punkte unter der finalen Vorjahresauslastung von 91,8 Prozent. Die Median-Zimmerraten stiegen dagegen: im Drei-Sterne-Segment um 7,6 Prozent auf 324 Euro, bei Vier-Sterne-Häusern um 6,9 Prozent auf 426 Euro, in der Fünf-Sterne-Kategorie um 5,4 Prozent auf 1.020 Euro.

Im Kurzzeitvermietungsmarkt zeigt PriceLabs laut rentalscaleup.com dasselbe Muster. Die Median-Übernachtungsrate kletterte um 9,2 Prozent auf 283,90 Dollar, der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) lag bei rund 208 Dollar und damit 1,3 Prozent über 2025. Die Auslastung sank von 79 auf projizierte 73,3 Prozent. Der Oktoberfest-Aufschlag gegenüber dem Normalpreis wuchs über drei Jahre von Faktor 1,57 (2024) auf 1,73 (2025) und 1,96 (2026).

Über alle vier Datensätze zieht sich dasselbe Muster: Die Raten steigen oder halten, die Auslastung schwächelt. RateGain misst dagegen Buchungen auf den eigenen Vertriebsplattformen. Das ist etwas anderes als die Auslastung einer Stadt.

Der Methoden-Haken

Entscheidend ist, wer da gemessen hat. RateGain übernahm Sojern laut Mitteilung vom 6. November 2025. Am 3. März 2026 führte der Konzern Adara und Sojern unter der Marke Sojern zusammen. Die in der Ausgangsmeldung als „Analyse von RateGain und Sojern“ beschriebene Datenbasis stammt damit nicht von zwei unabhängigen Quellen, sondern aus einem Konzern.

Ein Buchungsplus von 36 Prozent auf den Plattformen eines Anbieters kann vieles bedeuten: echtes Nachfragewachstum, einen Marktanteilsgewinn gegenüber anderen Kanälen oder schlicht mehr angebundene Hotels. Welcher Effekt überwiegt, geht aus der verfügbaren Information nicht hervor. Als Nachfrageindikator für die Stadt München taugt die Zahl ohne diese Einordnung nicht.

Das Überangebot, das die Preise drückt

Dass die Auslastung trotz steigender Raten nachgibt, hat einen handfesten Grund. Seit der Pandemie sind in München rund 10.000 neue Hotelbetten entstanden. DEHOGA-Kreisvorstand Christian Schottenhamel spricht laut t-online und Abendzeitung München von einem „extremen Überangebot von Hotelbetten“. Hinzu kommen nach Schätzung des Mietervereins bis zu 17.000 über Airbnb gebuchte Betten.

2025 waren Münchner Hotels zur Wiesn erstmals nicht ausverkauft. „Das hat es früher nicht gegeben“, sagte Schottenhamel gegenüber tageskarte.io. Eine Stichprobe des Portals zählte am 15. September 2026 noch 167 Unterkünfte, die durchgängig für den gesamten Zeitraum buchbar waren, darunter namhafte Häuser.

Die Herkunftsmärkte verschieben sich. Die USA bleiben laut Amadeus mit 37 Prozent der Buchungen größter Auslandsmarkt, verlieren aber zehn Prozent. Zuwächse kommen aus Indien (plus 59,7 Prozent) und Japan (plus 30,7 Prozent). Aufenthalte von 14 Nächten und mehr legten um 13 Prozent zu und machen inzwischen über sechs Prozent aller Buchungen aus.

Was das für die Planung von Großevents heißt

Für Revenue-Verantwortliche im DACH-Raum liegt der Lerneffekt weniger in der Wiesn selbst als im Umgang mit Event-Marktdaten. Eine einzelne Plattformzahl, zumal aus einem Konzern, ist kein Marktsignal. Wer Preis- und Verfügbarkeitsstrategie für ein Großevent plant, braucht den Abgleich zwischen Buchungsvolumen auf einem Kanal, tatsächlicher Auslastung und erzielter Rate. Diese drei Größen auseinanderzuhalten, ist die eigentliche Arbeit.

Das Münchner Muster taugt als Blaupause für jeden Markt, in dem seit der Pandemie Kapazität aufgebaut wurde und Kurzzeitvermietung mitspielt. Ein wachsender Event-Aufschlag verdeckt, dass das absolute Volumen bröckelt. Wer die Rate zu aggressiv ansetzt, riskiert leere Zimmer in genau der Woche, die das Jahr tragen soll. Die Spitzenwoche mit 78 Prozent Auslastung zeigt, dass selbst zum Höhepunkt Luft nach oben bleibt.

Konkret heißt das: Preisdurchsetzung an mehreren unabhängigen Datenquellen validieren, den Buchungsvorlauf im Blick behalten, Herkunftsmärkte beobachten. Verschiebt sich die Nachfrage von kaufkräftigen Kurzaufenthalten hin zu längeren, preissensibleren Buchungen, braucht die Rate-Logik eine andere Staffelung. Die 36-Prozent-Zahl ist dafür die falsche Grundlage.

Quellen

Quelle: Originalmeldung

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.