58,4 Mio. Übernachtungen im Juli – aber der RevPAR gibt nach
Volumen und Ertrag driften auseinander: 58,4 Millionen Übernachtungen im Juli 2026, dazu ein RevPAR von 74 Euro und Insolvenzen im Beherbergungsgewerbe, die um 40 Prozent gestiegen sind.

58,4 Millionen Übernachtungen zählten die deutschen Beherbergungsbetriebe im Juli 2026, ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das meldet das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen. Zugleich fiel der Netto-Zimmerpreis 2025 um 2,8 Prozent auf 109 Euro. Volle Häuser, dünnere Erträge: Das ist die Ausgangslage für die Herbstkalkulation.
Der Juli in Zahlen – und was der Rekord kumuliert wert ist
Laut Destatis verteilte sich das Juli-Wachstum gleichmäßig auf beide Gästegruppen. Die Inlandsnachfrage stieg um 3,2 Prozent auf 47,7 Millionen Übernachtungen, die Auslandsnachfrage ebenfalls um 3,2 Prozent auf 10,8 Millionen. Der Auslandsanteil bleibt damit bei rund 18 Prozent. Der deutsche Markt trägt sich weiterhin überwiegend aus heimischen Gästen.
Aufschlussreicher als der Einzelmonat ist der Jahresverlauf. Von Januar bis Juli 2026 kamen 282,1 Millionen Übernachtungen zusammen, 0,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 0,4 Prozent über dem bisherigen Rekordwert von 281,1 Millionen aus 2019. Die Inlandsnachfrage legte kumuliert um 0,8 Prozent auf 235,0 Millionen zu, die Auslandsnachfrage um 1,0 Prozent auf 47,1 Millionen.
Ein Vorsprung von 0,4 Prozent über 2019 ist kein Boom, sondern eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Wer die Juli-Zahl als Signal für Nachholbedarf liest, überschätzt sie. Die Mengen sind zurück, sie wachsen aber langsam. Zu beachten ist außerdem die Erhebungsgrenze: Destatis erfasst nur Betriebe ab zehn Schlafgelegenheiten beziehungsweise zehn Stellplätzen auf Campingplätzen. Kleinstbeherbergung und ein Teil des Kurzzeitvermietungsmarktes fallen aus der Statistik.
Volle Häuser, dünne Marge – die andere Seite der Statistik
Die Mengenentwicklung sagt nichts über die Ertragslage, und die ist angespannt. Laut dem IHA-Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026″ stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent. Gleichzeitig fiel der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro. Das drückt den RevPAR (Revenue per available Room, den Umsatz je verfügbarem Zimmer) auf 74 Euro. Die Auslastung kompensiert den Preisverfall nicht.
Für das erste Halbjahr 2026 meldet der Branchendienst MKG International eine Auslastung von 65,5 Prozent, ein Plus von 1,2 Prozent. Die Belegung zieht also weiter an. Die Kostenseite trübt das Bild: Nach Angaben der DEHOGA Bayern verbuchte das Gastgewerbe im ersten Quartal 2026 real 5,1 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum, nominal ein Plus von 2,1 Prozent. Gegenüber 2019 liegt das reale Umsatzminus bei 19,7 Prozent. Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten sind seit Anfang 2022 um bis zu 35 Prozent gestiegen.
Wie weit Nachfrage und Rentabilität auseinanderklaffen, zeigt eine Zahl aus dem IHA-Report: Die Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe stiegen um 40,1 Prozent und lagen damit über dem Vorkrisenniveau. Rekordnachfrage und Insolvenzwelle im selben Markt – das ist der Kern des Problems.
Wie es dazu kam – die Margenkrise ist nicht neu
Die Übernachtungsrekorde reihen sich seit Jahren aneinander. Nach Destatis-Angaben verzeichnete Deutschland 2023 rund 487,2 Millionen Übernachtungen, 2024 dann 496,1 Millionen und 2025 mit 497,5 Millionen ein weiteres Plus von 0,3 Prozent. Der Auslandsanteil sank 2025 um 1,8 Prozent auf 83,8 Millionen. Destatis führt das auf den Wegfall des EM-Effekts aus dem Sommer 2024 zurück. Vor diesem Basiseffekt gelesen, fällt das Juli-Plus 2026 im Auslandssegment umso stärker aus.
Auffällig ist die Verschiebung zwischen den Betriebsarten. 2025 verlor die klassische Hotellerie 0,4 Prozent, während Campingplätze um 4,2 Prozent zulegten. Das Wachstum findet zunehmend außerhalb des Hotelzimmers statt.
Der IHA ordnet die Lage klar ein. Trotz steigender Auslastung und Rekordübernachtungen sinken Zimmerpreise und RevPAR, ein Zeichen preisgetriebener Konsolidierung. Im europäischen Vergleich zählt Deutschland zu den Märkten mit hoher Kostenstruktur bei moderaten Zimmerpreisen. Der Margendruck sei, so der Verband, kein konjunkturelles, sondern ein strukturelles Thema. Eine Teilentlastung brachte zum 1. Januar 2026 die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf 7 Prozent. IHA-Vorsitzender Otto Lindner nennt sie „einen überfälligen Schritt zu fairem Wettbewerb“, verweist aber zugleich auf den Bedarf an wettbewerbsfähigen steuerlichen Rahmenbedingungen und niedrigeren Energiekosten.
DZT-Vorstandsvorsitzende Petra Hedorfer bewertet die Meldung positiv: „Der deutsche Incoming-Tourismus behauptet sich trotz geopolitischer Konflikte und wirtschaftlicher Unsicherheiten mit einer wachsenden Nachfrage.“ Sie führt die Stabilität unter anderem auf das Preis-Leistungs-Verhältnis und die breite Präsenz in den Quellmärkten zurück.
Was das für die Herbstsaison heißt
Die Botschaft an die Kalkulation ist unbequem: Volumen ersetzt keine Marge. Wer die Herbstsaison plant, sollte den Juli-Rekord nicht als Freibrief für zusätzliche Kapazität lesen. Die Auslastung steigt bereits, ohne dass der Preis mitzieht. Mehr Zimmer im Markt verschärfen den Preiskampf, statt ihn zu lindern.
Konkret heißt das für den Betrieb: Die Preisdisziplin gehört ins Zentrum. Bei einer Auslastung um 68 Prozent liegt der Hebel nicht in der Belegung, sondern im durchsetzbaren Zimmerpreis. Wer über OTA-Rabatte (Online-Reisebüros wie Booking oder Expedia) zusätzliche Nächte kauft, finanziert Umsatz auf Kosten des RevPAR.
Danach verschiebt sich der Fokus auf die Kostenseite. Bei einem realen Umsatzminus von 5,1 Prozent im ersten Quartal entscheidet der GOPPAR (Bruttobetriebsgewinn je verfügbarem Zimmer) über die Rentabilität, nicht die Übernachtungszahl. Die reduzierte Speisen-Mehrwertsteuer bietet im F&B (Food and Beverage, das Gastronomiegeschäft) einen Spielraum, den nicht jeder Betrieb komplett an den Gast weitergeben muss.
Bleibt der Gästemix. Die Auslandsnachfrage wächst wieder, und die DZT prognostiziert für 2026 ein Plus von 3,2 Prozent bei den internationalen Übernachtungen. Internationale Gäste reagieren oft weniger empfindlich auf höhere Preise als der Inlandsmarkt. Wer im Herbst gezielt in kaufkräftige Quellmärkte investiert, verteidigt seinen Preis eher, als wenn er auf inländische Last-Minute-Nachfrage setzt.
Quellen
- AHGZ – Tourismus: Steigende Übernachtungszahlen in Deutschland
- Destatis – Pressemitteilung Nr. 324 vom 11.09.2026, Übernachtungen Juli 2026
- Presseportal / Destatis – Übernachtungen Januar bis Juli 2026
- Mittelstand-Nachrichten – Steigende Übernachtungszahlen Juli 2026 (dts)
- AHGZ / IHA – Branchenreport Hotelmarkt Deutschland 2026
- redspa / IHA – Insolvenzen im Beherbergungsgewerbe 2025
- Tageskarte / DZT – Auslastung H1 2026 nach MKG International
- DEHOGA Bayern – Umsatzentwicklung Gastgewerbe Q1 2026
- Gastgewerbe-Magazin / IHA – Strukturelle Margenkrise und Mehrwertsteuersenkung
- DEHOGA Hamburg / IHA – Kostenstruktur und Margendruck im europäischen Vergleich
- regionalHeute / Destatis – Übernachtungen nach Betriebsarten 2025
- Hotelier.de – Übernachtungsrekorde 2023 und 2024
- HOGAPAGE / DZT – Halbjahresbilanz Incoming-Tourismus 2026
- aboutTravel / DZT – Prognose internationale Übernachtungen 2026
Quelle: Originalmeldung


