Samstag, 26. September 2026
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UPI Herbst 2026 auf 81: Weniger Deutsche planen Herbstreise

Nur noch 55 Prozent der Deutschen planen eine Herbstreise – nach 61 Prozent im Vorjahr. Der UPI-Index fällt auf 81 Punkte. Das Buchungsfenster schrumpft, der Preisdruck wächst.

Hotelangestellte prüft handschriftlich markierten Belegungsplan an unaufgeräumter Rezeption, diffuses Herbstlicht
Symbolbild · KI-generiert

Der Urlaubsplanungsindex (UPI) des Deutschen Instituts für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste und des Deutschen Tourismusverbands (DTV) fällt für den Herbst 2026 auf 81 Punkte, gemessen am Referenzwert 100 aus dem Vorjahresherbst. Nur noch 55 Prozent der Befragten wollen zwischen September und November verreisen, nach 61 Prozent im Herbst 2025. Institutsdirektor Bernd Eisenstein liest den Rückgang nicht als Reiseverzicht, sondern als spätere, preisgetriebene und stärker auf Stornierbarkeit ausgerichtete Buchung. Das trifft Belegungsplanung und Ratenstrategie im Kern.

Was der Herbstindex zeigt

Der UPI trennt Inland und Ausland. Laut Tageskarte liegt der Inlandsindex für Herbst 2026 bei 80 Punkten, der Auslandsindex bei 83, der Gesamtwert bei 81. Die Binnennachfrage ist damit etwas stärker betroffen als das Auslandsgeschäft, was Häuser mit hohem Anteil deutscher Gäste direkt angeht.

Am stärksten ziehen sich jüngere Gäste zurück. Bei der Generation Z sank der Anteil mit Herbstreiseplänen von 64 auf 51 Prozent, bei der Generation Y von 63 auf 56 Prozent, wie Tageskarte unter Berufung auf die Studie berichtet. Den UPI erhebt infas quo; befragt werden jeweils 1.000 Personen zwischen 18 und 79 Jahren aus deutschen Privathaushalten, quotiert nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildungsniveau. Die aktuelle Welle stammt von Ende August 2026.

Der Herbstwert steht im Kontrast zum Sommer. Für den Sommer 2026 meldete der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern einen UPI von 106 Punkten und eine Urlaubsquote von 62 Prozent. Der Einbruch betrifft die Herbstsaison, nicht das ganze Reisejahr.

Warum der Vergleich diesmal aussagekräftiger ist

Der UPI ist ein junges Instrument. Er wurde laut Tourismusverband MV im Herbst 2025 erstmals erhoben, dieser Zeitpunkt bildet mit 100 die Ausgangsbasis. Der aktuelle Herbst ist damit der erste echte Herbst-auf-Herbst-Vergleich. Die Werte sind saisonbereinigt und weniger anfällig für Verzerrungen als der frühere Sommer-Herbst-Sprung.

Bei der ersten Sommerwelle hatte das Institut noch die Robustheit der Nachfrage betont. Für 87 Prozent der Befragten hatten erhöhte Kerosin- und Spritpreise keine Auswirkung auf ihre Sommerplanung, so Eisenstein laut Tageskarte. Er begründete das mit der hohen Konsumpriorität sommerlicher Urlaubsreisen. Der Herbst reagiert empfindlicher, weil die Zweit- oder Kurzreise in dieser Saison eher zur Kür gehört. Betroffen ist damit das margenschwächere Nachfragesegment, nicht die geschützte Hauptsaison.

DACH-Realitätscheck: Belegung hält, Preise geraten unter Druck

Die Nachfrageschwäche trifft auf einen Markt, der schon unter Preisdruck steht. Laut DEHOGA Berlin und IHA stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung in Deutschland 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, während der Netto-Zimmerpreis (ADR, durchschnittliche Rate pro verkauftem Zimmer) um 2,8 Prozent auf 109 Euro nachgab. Der RevPAR, der Umsatz pro verfügbarem Zimmer unabhängig vom Verkauf, sank entsprechend auf 74 Euro. Volle Häuser, sinkende Erlöse: Das Gastgewerbe-Magazin spricht von einer strukturellen Margenkrise.

Auf Umsatzebene bestätigt sich das Bild. Laut DEHOGA Bundesverband lag der reale Umsatz im Gastgewerbe von Januar bis März 2026 um 5,1 Prozent unter dem Vorjahr, gegenüber 2019 um 19,7 Prozent. Nominal wuchs der Umsatz um 2,1 Prozent. Die Nachfrage trägt also nur noch preisbedingt, nicht real.

In Österreich ist die Lage stabiler. Laut OTS/WKÖ summierten sich die Nächtigungen für das Kalenderjahr 2026 bislang auf 117,89 Millionen, ein Plus von 1,5 Prozent. Die Sommersaison von Mai bis August legte um 2,3 Prozent zu, der August blieb mit minus 0,1 Prozent nahezu unverändert. Die Schweiz kühlt dagegen ab. Nach dem Rekordjahr 2025 mit 43,9 Millionen Logiernächten (plus 2,6 Prozent, Auslastung 51,1 Prozent) meldet das BFS für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang um 0,7 Prozent auf 20,3 Millionen Logiernächte. Deutschland bleibt laut Hotel Inside mit einem Plus von 2 Prozent der wichtigste ausländische Quellmarkt der Schweiz, womit die deutsche Herbstschwäche auch dort ankommt.

Das eigentliche Problem heißt Buchungsfenster

Eisensteins Befund ist die eigentliche Handlungsanweisung. Er rechnet damit, dass die Orientierung am Preis und die Suche nach kurzfristigen, stornierbaren Angeboten zunehmen. Gegenüber t-online begründete er die abwartende Haltung mit der Spritpreisentwicklung und der gesamtwirtschaftlichen Lage.

„Das heißt allerdings nicht unbedingt, dass auf Urlaub verzichtet wird, sondern es wird vorsichtiger geplant und auch später entschieden“, sagte Eisenstein laut Tageskarte.

Wie stark sich das Buchungsfenster verschoben hat, zeigt die österreichische Praxis. Eine Hotelsprecherin schilderte gegenüber VOL.AT, dass heute im Schnitt zehn Tage vor Anreise gebucht werde, im Vorjahr seien es 17 Tage gewesen, vor der Pandemie sechs Wochen. ÖHV-Sprecher Martin Stanits ordnete gegenüber news.at ein: „Ist man etwa auf 85 Prozent des Vorjahresniveaus, kann es schon sein, dass es noch voll wird – das war vor ein paar Jahren noch nicht so.“

Was das für den eigenen Betrieb heißt

Für den Forecast heißt der spätere Entscheidungszeitpunkt: Der Pickup, also der laufende Zubuchungsverlauf, verschiebt sich nach hinten. Wer den Herbst nach den Frühbucher-Zahlen der Vorjahre bewertet, unterschätzt die Endbelegung, weil die feste Basis mehrere Wochen vor Anreise dünner ist als früher. Ein Belegungsstand unter Vorjahr ist im aktuellen Muster kein sicheres Alarmsignal mehr.

Für die Ratenstrategie folgt daraus ein Balanceakt. Panikpreise auf breiter Front verschenken Ertrag, weil ein Teil der Nachfrage ohnehin kurzfristig noch kommt. Wer aber starr an hohen Frühbucherraten festhält, verliert die preissensiblen Kurzentschlossenen an günstigere Häuser. Sinnvoller ist es, den Vorlauf gestaffelt zu steuern und die letzten Wochen vor Anreise als eigenes Steuerungsfenster mit flexiblen Konditionen zu behandeln, statt das gesamte Kontingent früh zu verramschen.

Die steigende Nachfrage nach stornierbaren Angeboten kostet Planungssicherheit. Wer flexible Raten anbietet, sollte den Preisaufschlag gegenüber der nicht erstattbaren Rate bewusst kalkulieren und Zahlungsziele so setzen, dass das Ausfallrisiko begrenzt bleibt. Angesichts sinkender RevPAR-Werte in Deutschland und rückläufiger Logiernächte in der Schweiz ist der Herbstindex vor allem ein deutsches Nachfragesignal, die Preissensibilität aber zieht sich durch den gesamten DACH-Raum. Das operative Ziel bleibt, die Auslastung ohne weiteren Ratenverfall zu halten.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.