Donnerstag, 24. September 2026
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Vorreiter AG pachtet Adagio Access Stuttgart Airport aus Revo-Insolvenzmasse

Die Vorreiter AG übernimmt das Aparthotel Adagio Access Stuttgart Airport Messe mit 125 Apartments – ein Haus aus der Insolvenzmasse der Revo Hospitality Group, vermittelt durch CBRE.

Housekeeping-Mitarbeiterin prüft Zimmerliste am Trolley, Aparthotel-Studio, Gegenlicht durch Jalousien
Symbolbild · KI-generiert

Die Vorreiter AG pachtet zum Betreiberwechsel das Aparthotel Adagio Access Stuttgart Airport Messe in Leinfelden-Echterdingen, ein Haus mit 125 Apartments drei Kilometer von Flughafen und Messegelände entfernt. Der Immobiliendienstleister CBRE hat die Nachverpachtung abgeschlossen, wie das Fachportal Konii unter Berufung auf CBRE meldet. Hintergrund ist die Insolvenz der Revo Hospitality Group, vormals HR Group, aus der fünf Investoren nahezu das gesamte Portfolio herauslösen.

Ein Haus aus der Insolvenzmasse wechselt den Betreiber

Neuer Pächter wird die Vorreiter AG, die im Stuttgarter Markt bereits präsent ist. Laut Konii ist die Hannover Leasing Investmentmanager des Objekts und hält es für einen geschlossenen Spezial-AIF, ein reguliertes Anlagevehikel für institutionelle Immobilieninvestoren.

Das Haus am Bertha-Benz-Platz 5 nahm laut HR Group am 8. September 2021 den Betrieb auf und gehört zum Vision-One-Komplex. Der Zimmermix teilt sich in 95 Studios für zwei Personen, 18 Studios für drei Personen und 12 Apartments für vier Personen. Zur Ausstattung zählen Kitchenettes, ein Frühstücksrestaurant, eine Self-Service-Waschanlage, ein Mini-Markt und ein Coworking-Bereich. Das Longstay-Konzept zielt auf längere Aufenthalte statt auf Übernachtungsgäste.

Alexander Aisenbrey, Vorstandsvorsitzender der Vorreiter AG, verweist laut IT Boltwise auf die Lage: Das Haus sei etabliert, die Kombination aus Flughafen, Messe und Unternehmensumfeld biete gute Voraussetzungen für ein Longstay-Konzept.

Die Revo-Insolvenz als Auslöser

Der Wechsel gehört zu einer der größten Hotelinsolvenzen im DACH-Raum. Der bisherige Betreiber, die HR Group, firmiert laut t-online zuletzt als Revo Hospitality Group und betreibt nach eigenen Angaben rund 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern. Für rund 140 Gesellschaften beantragte die Gruppe Insolvenz in Eigenverwaltung, wie der Branchendienst helloguest berichtet. Betroffen sind laut t-online 125 Hotels mit etwa 5.500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich.

Für das Stuttgarter Objekt ist die Hotels by HR Stuttgart-Leinfelden GmbH zuständig. Laut Hotel vor9 hat das Gericht für diese Gesellschaft (Az. 3606 IN 401/26) die Eigenverwaltung angeordnet. Sachwalter Lucas Flöther hat die endgültige Zuordnung des Adagio-Hauses zu dieser Gesellschaft laut Hotel vor9 noch nicht bestätigt.

Beim Verkauf des Portfolios übernehmen laut Hogapage fünf Investoren nahezu alle Revo-Hotels; die meisten operativen Jobs bleiben erhalten, während rund 450 Zentralstellen wegfallen. Wie die Aufteilung läuft, zeigt ein Fall aus demselben Verfahren: Die Motel One Group übernahm laut Hogapage zum 1. Juni 2026 in Kiel zwei Häuser, bislang als ibis Styles und Adagio Access geführt, und will sie zu einem Standort zusammenführen.

Wer ist die Vorreiter AG

Die Vorreiter AG mit Sitz in Saarburg entstand laut Hotel vor9 2024, gegründet von Alexander Aisenbrey, Alex Obertop und Oliver Mathée. Aisenbrey führte zuvor zwanzig Jahre lang das Fünf-Sterne-Superior-Resort Öschberghof in Donaueschingen, wie Hogapage berichtet.

Für 2026 plant das Unternehmen laut Hotel vor9 neun Hotels, darunter fünf Pachtbetriebe: das Hilton Garden Inn Stuttgart NeckarPark, das Aparthotel Adagio Bremen, das Ibis Budget Bremen City Center, das Ibis Budget München Putzbrunn sowie das Terra Saar Hotel & Spa in Saarburg. Für den Stuttgarter Zuschlag zählte die Markenvertrautheit: Laut IT Boltwise betreibt Vorreiter mit dem Adagio Bremen (95 Zimmer) bereits ein Haus derselben Marke. In Stuttgart hält das Unternehmen zudem das Hilton Garden Inn NeckarPark mit 150 Zimmern und laut Tophotel einer Auslastung von mehr als 70 Prozent.

Was der Wechsel für das Aparthotel-Segment bedeutet

Der Fall zeigt, wie sich das Serviced-Apartment-Segment in der DACH-Region neu ordnet und wer davon profitiert. Longstay-Konzepte reagieren weniger empfindlich auf kurzfristige Nachfrageschwankungen als klassische Stadthotels, weil sie auf planbare, längere Buchungen setzen.

Für Betreiber heißt das: Wer aus einer Insolvenzmasse ein Longstay-Objekt übernimmt, kann Ertragsrisiken besser kalkulieren als bei einem reinen Transienthaus, vorausgesetzt, die Standortnachfrage trägt. In Stuttgart kommt die Nachfrage aus Messe, Flughafen und Industrieumfeld. Der Flughafen zählte 2025 laut aeroTELEGRAPH 9.569.617 Passagiere, ein Plus von 4,8 Prozent. Für 2026 rechnet der Airport mit einem leichten Rückgang auf 9,4 Millionen. FSG-Geschäftsführungssprecher Ulrich Heppe beschreibt die Verschiebung so:

„Die Nachfrage bleibt stark, vor allem bei den privaten Reisen. Der touristische Markt gewinnt für uns weiter an Bedeutung, die Nachfrage nach Geschäftsreisen stagniert derzeit.“

Für ein Longstay-Haus, das stark von Projekt- und Industriereisenden lebt, ist diese Stagnation der eigentliche Prüfstein.

Bemerkenswert ist die Rollenverteilung: Nicht ein Großkonzern, sondern ein 2024 gegründetes Betreiberhaus sichert sich das Objekt. Markenerfahrung mit Adagio Access und ein bestehendes Cluster am Standort gaben laut IT Boltwise den Ausschlag. Für kleinere und mittlere Betreiber ist das ein Hinweis, dass sich in der Umverteilung des Revo-Portfolios auch abseits der Ketten Chancen ergeben, sofern Marken- und Prozesswissen vorhanden ist.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.