Goodbytz-Roboter kocht im Leonardo Smart Vienna Airport
Mit dem Leonardo Smart Vienna Airport (510 Zimmer) steigt erstmals eine internationale Kettenmarke bei Goodbytz ein – der Hamburger Robotik-Spezialist bedient damit ein Portfolio von 126 Hotels.

Am 25. Juni nahm das Leonardo Smart Vienna Airport mit 510 Zimmern den Betrieb auf. Seither bereitet dort ein autonomer Küchenroboter namens luca rund um die Uhr Salate und Bowls zu. Der eigentliche Nachrichtenwert liegt im Vertragspartner: Mit Leonardo Hotels Central Europe steigt erstmals eine internationale Kettenmarke bei der Hamburger Robotik-Firma Goodbytz ein – ein Portfolio von 126 Hotels und mehr als 21.800 Zimmern als potenzieller Multiplikator.
Was am Vienna Airport startet
Laut food-service.de, ahgz.de und hogapage.at kooperiert Goodbytz mit Leonardo Hotels Central Europe. Auftakt ist das Leonardo Smart Vienna Airport. Der Roboter luca übernimmt dort die Zubereitung frischer Salate und Bowls vor Ort, rund um die Uhr und unabhängig von den klassischen Küchenöffnungszeiten. Das Haus deckt damit die Zeitfenster ab, in denen sonst niemand am Herd steht.
Das Pilothaus ist das erste der neuen Marke Leonardo Smart und richtet sich an Flughafenreisende. Nach Angaben der Betreiber handelt es sich um das weltweit größte Hotel in Holzbauweise und das viertgrößte Hotel Österreichs. Der Wiener Projektentwickler Mamma Group stellte den Bau in 13 Monaten fertig; das Haus liegt rund 2,5 Kilometer vom Flughafen Wien entfernt. Dieser Standorttyp mit hoher Auslastung und Gästen mit ungleichmäßigen Ankunftszeiten ist das naheliegende Testfeld für eine personalunabhängige 24/7-Verpflegung.
Wer hinter dem Roboter steht
Goodbytz wurde 2021 in Hamburg von Hendrik Susemihl (CEO), Kevin Deutmarg (COO) und Philipp von Stürmer (CTO) gegründet und baut sogenannte Robotic-Kitchen-Assistants. Auf eine Seedrunde folgte 2023 eine Series-A-Runde über zwölf Millionen Euro, angeführt vom Hamburger Wagniskapitalgeber Oyster Bay.
Bei den Leistungsdaten gehen die Angaben auseinander. Goodbytz selbst nennt rund 150 Gerichte pro Stunde. Eine Firmensprecherin sprach zum Oldenburger Projekt von bis zu 120 frisch zubereiteten Gerichten pro Stunde, ohne dass dauerhaft Personal an der Kochstation stehen müsse. Der Großhändler Transgourmet beziffert die Kapazität auf bis zu 2.400 Portionen pro Tag und Roboter. Die Spannweite hängt von Ausstattung und Integration ab. Im Mai 2026 erhielt das Unternehmen in Berlin den German Innovation Award 2026 als Winner in der Kategorie Excellence in Business to Business, dazu den Robotics Award 2026.
Der Roboter war schon im Hotel, nur ohne Kettenlogo
Der Leonardo-Deal ist nicht der erste Hoteleinsatz von Goodbytz, sondern der erste mit einer Kettenmarke. Seit April läuft im Hotel Hella Globe im nordrhein-westfälischen Lippstadt ein Kochsystem des Start-ups. Kern der acht Quadratmeter großen Zelle ist ein Roboter des japanischen Herstellers Fanuc. Das System bereitet dort rund 180 Gerichte zu und lässt den Betrieb über das Frühstück hinaus warme Speisen rund um die Uhr anbieten. Ein weiteres Projekt ist im geplanten Highland Home Hotel in Oldenburg vorgesehen.
Der Weg führte über die Systemgastronomie. Erst 2024 lieferte Goodbytz komplette Systeme aus; der erste Roboter startete gemeinsam mit dem Caterer Sodexo im Uniklinikum Tübingen, wo er inzwischen für Personal und Besucher kocht. International kommen die Systeme unter anderem in Seoul und im US-Militärstützpunkt Fort Hood zum Einsatz. Die Route verlief von Kliniken und Systemgastronomie über Einzelhotels zur Kettenmarke. Leonardo ist damit die Skalierungsstufe, nicht der Erstkontakt mit der Hotellerie.
Warum eine Kette und warum jetzt
Goodbytz-CEO Hendrik Susemihl ordnet den Schritt in einen Digitalisierungstrend ein. „Die Hotellerie entwickelt sich zunehmend zu intelligenten, digital vernetzten Orten. Dazu gehört aus unserer Sicht auch die gastronomische Versorgung“, sagt er laut food-service.de. Gemeinsam mit Leonardo wolle man zeigen, wie autonome Küchenroboter Häuser dabei unterstützten, Gästen jederzeit frisch zubereitete Mahlzeiten zu bieten.
Der Treiber ist der Personalmangel in Küche und Service, der den gesamten DACH-Raum betrifft. Wo abends und nachts keine Küche mehr besetzt werden kann, füllt die Automatisierung eine reale Lücke. „Der Kern-Aspekt ist frisches, modernes Essen, für das Menschen wiederkommen“, betonte Susemihl schon früher.
Zu den Kosten macht Goodbytz keine öffentlichen Angaben. Beim Wettbewerber Circus Group aus München wird der CA-1 laut Handelsblatt auf rund 250.000 Euro veranschlagt, plus monatliche Software- und Wartungsgebühren von 10.000 bis 20.000 Euro. Die Investition rechnet sich damit nur bei entsprechendem Durchsatz.
Was das für die Branche heißt
Für einen DACH-Hotelbetrieb verschiebt der Fall die Frage von „ob“ auf „wo“. Der Nutzen ist am größten, wo Randzeiten bisher unbesetzt bleiben: Airport- und Budgethäuser, Longstay-Konzepte, Häuser ohne durchgehendes Küchenteam. Genau dieses Segment bespielt Leonardo mit der Smart-Marke. Wer ein klassisches à-la-carte-Restaurant mit Stammgästen führt, hat einen anderen Business Case; dort ersetzt der Roboter keine Handschrift, sondern höchstens die Nacht- und Zwischenverpflegung.
Der Roboter ist kein Küchenersatz, sondern ein Zusatzangebot für definierte Zeitfenster. Rechnen muss man ihn gegen die tatsächlichen Personalkosten dieser Randzeiten und gegen den Umsatz, der ohne 24/7-Option gar nicht erst entsteht. Dass mit Leonardo erstmals ein Konzern das Modell in mehreren Häusern testet, macht den Fall relevant. Kommen belastbare Betriebsdaten aus Wien, lässt sich beurteilen, ob der Sprung von der Systemgastronomie in die Kettenhotellerie trägt und ob weitere Marken nachziehen. Reaktionen von Verbänden wie ÖHV oder DEHOGA lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.
Quellen
- ahgz – Kochroboter Goodbytz bringt seine Roboter in Hotels
- food-service.de – Goodbytz kooperiert mit Leonardo Hotels Central Europe
- hogapage.at – Küchenroboter luca im Leonardo Smart Vienna Airport
- Goodbytz – Strategic partnership with Leonardo Hotels Central Europe
- Presseportal – Leonardo Hotels Central Europe Portfoliozahlen (31.07.2026)
- Oyster Bay – Series-A-Finanzierung Goodbytz
- Startbase – Goodbytz Gründung und Team
- Handelsblatt – Kochroboter im Preisvergleich (Circus Group CA-1)
- Transgourmet – Kapazitätsangaben Goodbytz-Roboter


