Motel One übernimmt bis zu zwölf Revo-Hotels in Deutschland und Österreich

Ein laufendes Fusionskontrollverfahren beim Bundeskartellamt macht es offiziell: Motel One ist der erste namentlich bestätigte Übernehmer aus der Insolvenz der Revo Hospitality Group. Die Münchner Hotelgruppe plant die Übernahme von bis zu zwölf Hotels in Deutschland und Österreich – und hat in Kiel bereits zwei Häuser in Betrieb genommen.
Bundeskartellamt macht Motel One öffentlich
Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen B9-68/26. In der veröffentlichten Verfahrensübersicht des Bundeskartellamts heißt es laut tageskarte.io wörtlich: „Motel One Gruppe (D); Erwerb von 10 in Deutschland belegenen Hotelbetrieben der Revo Hospitality Group (D).“ Welche zehn Standorte konkret betroffen sind, geht aus dem Kartellamt-Eintrag nicht hervor – weder Städte noch Marken werden genannt. Eine Entscheidung der Behörde steht noch aus. Ob die Übernahme vollzogen werden kann, hängt damit direkt vom kartellrechtlichen Ausgang ab.
Parallel dazu liefert eine Zusammenschlussanmeldung bei der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) mehr geografische Details: Die Motel One Austria GmbH plant demnach die Übernahme des Betriebs des H+ Hotel Salzburg sowie des H2 Hotel Wien Schönbrunn – beides bislang von Revo-Gesellschaften betriebene Häuser. Weitere Unternehmen der Motel-One-Gruppe sollen zudem acht Hotels in Deutschland sowie je ein Hotel in Polen und Ungarn übernehmen. Die Frist für einen möglichen Prüfungsantrag der österreichischen Amtsparteien endet am 16. Juli 2026.
Kiel bereits vollzogen: 25-Jahres-Mietvertrag mit Art-Invest
Während die kartellrechtlichen Verfahren in Deutschland und Österreich noch laufen, ist in Kiel die Weiche bereits gestellt. Zum 1. Juni 2026 hat Motel One dort zwei bislang unter den Marken ibis Styles und Adagio Access geführte Revo-Häuser übernommen, wie hogapage.de und tageskarte.io berichten. Eigentümer der Immobilien ist Art-Invest Real Estate, mit der Motel One einen neuen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren abgeschlossen hat. Die benachbarten Häuser sollen schrittweise in das Motel-One-Portfolio integriert werden.
Hintergrund: Die Insolvenz der Revo Hospitality Group
Am 16. Januar 2026 stellte die Revo Hospitality Group beim Amtsgericht Charlottenburg für rund 140 Gesellschaften Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Betroffen waren laut helloguest.io und tophotel.de rund 175 Hotels in Deutschland, Österreich und den Niederlanden mit etwa 5.500 Beschäftigten. Der Hotelbetrieb lief während der Verfahren stabil weiter, einzelne Standorte – darunter Häuser in Frankfurt und auf Rügen – stellten ihren Betrieb jedoch ein.
Mit der Eigenverwaltung wurden die Rechtsanwälte Benedikt de Bruyn und Gordon Geiser von GT Restructuring als Geschäftsführer eingesetzt. Als gerichtliche Sachwalter fungieren Torsten Martini (Kanzlei Görg) für die H-Hotels sowie Lucas F. Flöther (Flöther & Wissing) für die weiteren Gesellschaften der Gruppe.
Fünf Investoren teilen das Portfolio unter sich auf
Laut tophotel.de vom 2. Juni 2026 wollen insgesamt fünf internationale Hotelgruppen und Investoren rund 120 der betroffenen Hotels übernehmen. 45 Häuser seien bereits verkauft, für zehn weitere Hotels werde noch nach einer konkreten Lösung gesucht. Über hundert Interessenten hatten sich informiert, rund 20 legten verbindliche Angebote vor, wie der-indat.de berichtet. Zum vereinbarten Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Neben Motel One ist bereits ein weiterer Übernehmer bekannt: Der skandinavische Hotelbetreiber Proark hat laut tophotel.de die operative Leitung von vier Häusern übernommen, die zuvor unter der Marke Vienna House by Wyndham geführt wurden – konkret das Baltic Stralsund, die Sonne Rostock, die Kleine Sonne Rostock sowie den Thüringer Hof Eisenach. Proark plant, die Standorte innerhalb von drei Jahren zu modernisieren.
Auf der Beschäftigungsseite zeichnet sich laut der-indat.de ein gemischtes Bild ab: Der weit überwiegende Teil der rund 5.450 Hotelarbeitsplätze kann erhalten werden. Die rund 450 Stellen in der Konzernzentrale hingegen können nicht fortgeführt werden.
Was bedeutet das für die Branche
Für Hoteliers und Marktbeobachter im DACH-Raum ist die Motel-One-Bestätigung ein wichtiges Signal: Das größte Insolvenzverfahren der deutschsprachigen Hotellerie seit Jahren bewegt sich planmäßig in Richtung Abschluss. Die Tatsache, dass ein etablierter, profitabler Betreiber wie Motel One in den Deal einsteigt – inklusive eines 25-jährigen Mietvertrags in Kiel –, zeigt, dass die betroffenen Immobilien und Lagen als wirtschaftlich tragfähig eingestuft werden.
Für Eigentümer und Asset-Manager in der Region ist relevant: Die Übernahmen erfolgen als Betreiberübernahmen, nicht zwingend als Immobilientransaktionen. Das Modell – Immobilieneigentümer bleibt, Betreiber wechselt – ist auch bei den Kiel-Häusern mit Art-Invest klar erkennbar. Welche der verbleibenden vier Investoren als nächste namentlich bestätigt werden, dürfte in den kommenden Wochen folgen.
Quellen
- tageskarte.io – Nach Insolvenz: Der erste Revo-Erbe ist offiziell (24.6.2026)
- ahgz.de – Nach Insolvenz: Erster Revo-Erbe offiziell
- tophotel.de – Fünf Investoren übernehmen rund 120 Revo-Hotels (2.6.2026)
- tophotel.de – Proark übernimmt Vienna House by Wyndham-Standorte (April 2026)
- hogapage.de – Motel One übernimmt Revo-Hotels in Kiel (Juni 2026)
- der-indat.de – Investorenprozess Revo Hospitality Group (2.6.2026)
- helloguest.io – Insolvenz Revo Hospitality Group: Hintergrund und Chronologie


