Sonntag, 19. Juli 2026
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Branchenkonjunktur : Gastgewerbe-Umsatz unverändert zum Vormonat

Waitress in a white shirt serves plates of pasta to a seated man in a busy restaurant interior.
Symbolbild · KI-generiert

Gastgewerbe-Umsatz im April 2026: Stillstand statt Erholung

Der Umsatz im deutschen Gastgewerbe ist im April 2026 real konstant geblieben — nach dem historischen Einbruch im März keine weitere Verschlechterung, aber auch kein Aufwärtssignal. Hotellerie und Gastronomie entwickeln sich dabei gegenläufig: Während Beherbergungsbetriebe ein kleines Plus verbuchen, setzt sich der Rückgang in der Gastronomie fort.

Was die Zahlen sagen — April 2026 im Überblick

Gesamtgastgewerbe: real null, nominal leichtes Plus

Nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist der kalender- und saisonbereinigte Umsatz im Gastgewerbe im April 2026 real — also preisbereinigt — gegenüber dem Vormonat März konstant geblieben (0,0 %). Nominal, das heißt ohne Preisbereinigung, verzeichnete die Branche laut Getränke Zeitung/meininger.de ein Plus von 0,4 Prozent.

Die Schere zwischen beiden Werten ist kein Zufall: Sie zeigt, dass nominale Umsatzzuwächse nahezu ausschließlich auf Preissteigerungen zurückgehen — die Mengenseite, also tatsächliche Gästezahlen und Buchungsvolumen, schrumpft weiter. Im Vergleich zum April 2025 sank der Umsatz real um 7,1 Prozent, wohingegen er nominal um 0,7 Prozent stieg — ein Befund, der dieses Muster deutlich illustriert.

Hotellerie legt leicht zu — gegen den Trend

Hotels und sonstige Beherbergungsunternehmen entwickelten sich im April besser als das Gesamtgastgewerbe. Laut Getränke Zeitung/meininger.de stieg ihr Umsatz gegenüber März 2026 real um 1,2 Prozent und nominal um 1,8 Prozent. Im Jahresvergleich bleibt die Lage dennoch deutlich negativ: Gegenüber April 2025 sank der reale Umsatz um 7,4 Prozent; nominal ergibt sich lediglich ein minimales Plus von 0,1 Prozent.

Auch die Übernachtungsdaten des Destatis spiegeln diese Zweiteilung wider: Im April 2026 verbuchten Beherbergungsbetriebe in Deutschland insgesamt 39,5 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste — 3,1 Prozent weniger als im April 2025. Die Übernachtungen inländischer Gäste nahmen dabei um 3,9 Prozent auf 32,9 Millionen ab, während jene ausländischer Gäste leicht um 0,6 Prozent auf 6,6 Millionen stiegen. Für den Zeitraum Januar bis April 2026 summieren sich die Übernachtungen auf 126,1 Millionen — 0,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, aber 0,9 Prozent unter dem bisherigen Rekord von 127,2 Millionen aus dem Jahr 2019.

Gastronomie unter Druck — erneut rückläufig

Die Gastronomie bleibt der Problembereich. Wie die AHGZ berichtet, verzeichnete das Segment im April 2026 einen weiteren Umsatzrückgang. Laut Getränke Zeitung/meininger.de sank der Umsatz gegenüber März 2026 real um 0,6 Prozent und nominal um 0,2 Prozent. Im Jahresvergleich mit April 2025 betrug das reale Minus ebenfalls 7,4 Prozent. Die Schere innerhalb des Gastgewerbes öffnet sich damit weiter: Beherbergung gewinnt leicht, Gastronomie verliert weiter.

Revision März und Trendlinie 2026

März revidiert — weniger schlimm, aber weiter Tiefstand

Der revidierte Wert für März 2026 fällt etwas weniger dramatisch aus als zunächst gemeldet: Laut Getränke Zeitung/meininger.de lag das reale Minus gegenüber Februar bei 1,7 Prozent — der vorläufige Wert hatte noch bei minus 2,2 Prozent gelegen. Nominal wurde ein Rückgang von 0,6 Prozent verzeichnet (vorläufig: minus 1,3 Prozent). Die Revision ändert nichts am Grundbefund: Wie Tichys Einblick berichtet, markierte März 2026 den niedrigsten Stand des Gastgewerbe-Umsatzes seit der Coronakrise.

Monatliche Entwicklung 2026 — ein Muster wird sichtbar

Die Monatsdaten des laufenden Jahres zeigen ein uneinheitliches, aber insgesamt schwaches Bild. Laut Tageskarte brach der reale Umsatz im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 um 3,9 Prozent ein, während er nominal unverändert blieb. Im Februar stabilisierte sich die Lage vorübergehend: Der reale Umsatz blieb laut tophotel.de konstant, nominal gab es ein Plus von 0,4 Prozent. Im März folgte der bereits beschriebene Einbruch, im April nun die Seitwärtsbewegung.

Für das erste Quartal 2026 insgesamt meldete der DEHOGA Hamburg einen realen Umsatzrückgang von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum — ein strukturelles Signal, das über die monatlichen Schwankungen hinausweist.

Strukturelle Krise mit langer Vorgeschichte

Die aktuellen Zahlen sind kein isoliertes Phänomen. Laut gastroinsider.de lag der reale Umsatz des deutschen Gastgewerbes bereits 2024 noch immer 13,1 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Hotels und Pensionen haben sich mit minus 4,7 Prozent real noch am besten erholt. Laut DEHOGA war 2025 bereits das sechste Jahr in Folge mit realen Umsatzverlusten in der Gastronomie.

Hinzu kommt ein dauerhaft verändertes Konsumverhalten: Laut gastroinsider.de registrierte die Branche 2023 rund 8,79 Milliarden individuelle Außer-Haus-Besuche — rund 11 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 9,8 Milliarden.

Kostendruck bleibt das zentrale Betriebsproblem

Auf der Kostenseite haben sich die Rahmenbedingungen nicht entspannt. Laut einer DEHOGA-Umfrage nannten 75,2 Prozent der Betriebe Personalkosten als größtes Problem, gefolgt von Bürokratie (67 Prozent), Energiekosten (65,7 Prozent) und Lebensmittel- und Getränkekosten (64,6 Prozent). Laut hogapage.de sind Waren-, Personal- und Energiekosten seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent gestiegen.

Konkret auf die Lohnkosten: Laut Destatis sind die Arbeitskosten im Gastgewerbe bis 2025 auf 27,40 Euro je Arbeitsstunde gestiegen — gegenüber 20,90 Euro im Jahr 2020 entspricht das einem Anstieg von 31,1 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Januar 2026 bei 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen.

Die seit 1. Januar 2026 geltende Rückkehr der ermäßigten Mehrwertsteuer von sieben Prozent auf Speisen sollte laut Branchenbeobachtern Entlastung bringen — für Getränke gilt weiterhin der volle Satz von 19 Prozent. Ob sich die Maßnahme messbar in den Umsatzzahlen niederschlägt, bleibt angesichts der aktuellen Datenlage noch offen.

Was bedeutet das für die Branche

Die April-Zahlen liefern kein Aufbruchssignal. Die Stabilisierung auf dem Niveau nach dem März-Einbruch ist allenfalls eine Atempause — keine Trendwende. Für Hotelbetriebe im DACH-Raum, die ihre Planungen auf monatliche Umsatzdaten stützen, bleibt das Signal eindeutig: Der reale Nachfragerückgang im Jahresvergleich von 7,4 Prozent für die Beherbergung ist zu groß, als dass ein monatliches Plus von 1,2 Prozent strukturell etwas verändern würde.

Die wachsende Divergenz zwischen Hotellerie und Gastronomie ist dabei strategisch relevant: Beherbergungsbetriebe profitieren zumindest leicht von einem stabileren internationalen Reisesegment — ausländische Übernachtungen legten im April zu, während inländische Gäste deutlich ausblieben. Gastronomische Konzepte innerhalb von Hotelbetrieben, die stark auf lokale Laufkundschaft setzen, stehen damit vor einer anderen Herausforderung als reine Beherbergungsmarken.

Der strukturelle Kostendruck — steigende Arbeitskosten, Mindestlohnerhöhungen, Energiepreise — wird durch nominale Preissteigerungen nur teilweise kompensiert. Solange die Mengenseite nicht dreht, bleibt die Profitabilität unter Druck. Die nächsten Monate, insbesondere die Sommersaison, werden zeigen, ob die Branche aus der Seitwärtsbewegung nach oben oder nach unten ausbricht.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.