Samstag, 18. Juli 2026
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GMH kündigt Rückzug aus VZB-Holding an – nach Gerichtssuspendierung in Amsterdam

Erst suspendierte die Ondernemingskamer in Amsterdam Vorstand und Aufsichtsrat der gemeinsamen Holding, dann kündigte Grand Metropolitan Hotels den Rückzug an. Für Betreiber mit GMH-Verträgen stellen sich konkrete Absicherungsfragen.

Hotelbackoffice mit Dokumentenstapeln, Person von hinten über Schreibtisch gebeugt, Abenddämmerungslicht
Symbolbild · KI-generiert

Nicht Grand Metropolitan Hotels (GMH) hat das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) verklagt, sondern umgekehrt: Das VZB brachte den Gesellschafterstreit vor die Ondernemingskamer, die Unternehmenskammer des Gerichtshofs Amsterdam. Nach der Verhandlung vom 21. Mai 2026 suspendierte das Gericht laut „Het Financieele Dagblad“ (FD) Vorstand und Aufsichtsrat der gemeinsamen Holding vorläufig. Am 16. Juli 2026 kündigte GMH an, sich aus der Holding zurückzuziehen. Die Reihenfolge widerspricht dem Bild, das die Pressemitteilung zeichnet.

Was Grandmet ankündigt – und was gleichzeitig in Amsterdam läuft

Laut der über lifePR verbreiteten GMH-Mitteilung will die Gruppe Marken, Hotelmanagement, Franchisegeschäft und digitale Lösungen künftig eigenständig weiterentwickeln. Die Trennung von der gemeinsam mit dem VZB gehaltenen Grand Metropolitan Hotels Holding B.V. sei eingeleitet. hotelvor9.de zitiert das Unternehmen mit der Einschätzung, das Joint Venture sei aus GMH-Sicht gescheitert.

Chairman Martin Smura begründet den Schritt in der Mitteilung mit einer festgefahrenen Situation:

„Wir haben eine gute wirtschaftliche Lösung für die Trennung der Gesellschafter angeboten. Über die Übernahme der Beteiligung des VZB kam keine Einigung zustande, und die vorgeschlagene Kapitalerhöhung erhielt nicht die erforderliche Zustimmung. Damit befindet sich die Beteiligungsholding aus unserer Sicht in einem Deadlock.“

Das Verfahren in Amsterdam zeichnet ein anderes Kräfteverhältnis. Das VZB beantragte laut FD, Geschäftsführung und Aufsichtsrat gerichtlich abberufen zu lassen und einen unabhängigen Sachverständigen mit der Prüfung von Geschäftstätigkeit und Beteiligungshistorie zu beauftragen. Das Gericht suspendierte Vorstand und Aufsichtsrat vorläufig und kündigte die Bestellung eines neuen Vorstands an. Ein endgültiges Urteil erwartet die Kammer sechs bis acht Wochen später, also um Mitte Juli.

Zwei Zahlenwelten: Beteiligung und Forderungen

Die Angaben zur Beteiligungsstruktur gehen auseinander. hotelvor9.de nennt eine Aufteilung von 70 Prozent Smura-Familienholding und Rest VZB. Smura präzisiert im Interview auf 70,3 Prozent für die Familienholding, 25,1 Prozent VZB-Minderheitsbeteiligung sowie weitere 4,6 Prozent, die das VZB über eine andere Gesellschaft kontrolliere. Das Fachmedium IPE beziffert den VZB-Anteil dagegen auf 21,5 Prozent. Die Widersprüche sind bislang nicht aufgelöst.

Klarer ist das Bild bei den Streitbeträgen. Nach Darstellung des FD investierte das VZB unter früherer Leitung rund elf Millionen Euro in Grandmet. GMH verlangt vom VZB Schadensersatz: IPE nennt eine Forderung von 120,5 Millionen Euro, Smura spricht von einem Schaden von über 120 Millionen Euro, den man weiterverfolgen werde. Für den Rückkauf der VZB-Anteile bot GMH laut seinem Medienanwalt 11,75 Millionen Euro im Rahmen eines Kauf- und Vergleichsvertrags an. Der FD nennt elf Millionen Euro und ergänzt, das VZB verlange zusätzlich Zinsen.

Zur Größe von GMH kursieren stark abweichende Zahlen: von mehr als 300 Hotels (htr.ch, November 2024) über mehr als 450 (WirtschaftsWoche, April 2026) bis zu über 600 (informieren.eu, Mitte 2026). Umsatzangaben von über einer Milliarde Euro und ein Eigenkapital von mehr als 200 Millionen Euro sind Eigenangaben des Unternehmens und nicht unabhängig geprüft.

Die Vorgeschichte, die den Konflikt erklärt

Der Streit lässt sich nicht ohne den VZB-Skandal verstehen. Laut Berichterstattung verlor das Versorgungswerk rund eine Milliarde Euro, etwa die Hälfte des einstigen Anlagevermögens von 2,2 Milliarden Euro. Rund 11.000 Mitgliedern drohen Einbußen bei den Rentenansprüchen. Der Skandal kam im Frühjahr 2025 ins Rollen, danach übernahmen neue Funktionäre die VZB-Gremien.

Diese neue Führung prüft nun die Altverträge. Das VZB stieg 2023 bei GMH ein, zuvor bestand über die Marke Castlewood Hotels & Resorts bereits eine Verbindung. Das Amsterdam-Verfahren ist damit weniger ein isolierter Gesellschafterstreit als Teil der Aufarbeitung durch die neue VZB-Spitze.

Auf operativer Ebene läuft ein zweiter Konflikt. Die VZB-Hotels betrieb seit rund einem Jahr Lindner, ausgenommen das selbstständig geführte Fleesensee Resort. Die Managementverträge mit Lindner wurden gekündigt. Die Lindner Hotels AG will sich rechtlich dagegen wehren.

Einordnung: Voraussetzung oder Folge?

Die Chronologie beantwortet die Frage, ob die Trennung Voraussetzung oder Folge des Konflikts ist. Zuerst kam die Klage des VZB, dann die gerichtliche Suspendierung des Vorstands, erst danach die Trennungsankündigung von GMH. Die Loslösung fällt in einen Moment, in dem GMH juristisch in der Defensive steht. Ob GMH damit einer drohenden Fremdverwaltung der Holding zuvorkommen oder eine strategische Neuordnung vollziehen will, lässt sich aus den belegten Fakten nicht klären.

Für DACH-Hoteliers, die mit GMH-Marken, Management- oder Franchiseverträgen arbeiten, liegt der praktische Kern woanders. Verträge hängen an der operativen Gesellschaft, nicht an der niederländischen Beteiligungsholding. GMH betont, das operative Geschäft unabhängig fortzuführen. Doch der Fall Lindner zeigt, wie schnell Managementverträge in einem solchen Umfeld gekündigt und anschließend gerichtlich angefochten werden. Wer als Betreiber oder Eigentümer eine Bindung zu GMH oder zu VZB-nahen Objekten hat, sollte prüfen, an welcher juristischen Einheit der eigene Vertrag hängt, welche Kündigungsfristen gelten und wie die eigene Marke bei einem Führungswechsel in der Holding abgesichert ist. Die widersprüchlichen Portfolio- und Bilanzzahlen sind ein Signal, Bonitäts- und Eigentumsangaben eines Partners nicht ungeprüft zu übernehmen.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.