Nürnberg 2025: Rekordzahl gehalten, Auslandsnachfrage unter Druck

Nürnberg hat 2025 mit knapp 3,87 Millionen Übernachtungen das Rekordniveau des Vorjahres gehalten – ein Plus von 0,1 Prozent. Doch hinter der stabilen Gesamtbilanz verbergen sich strukturelle Verschiebungen: Die Inlandsnachfrage trägt die Zahlen, das Auslandsgeschäft gibt deutlich nach.
Rekordhaltung trotz schwächerem Messejahr
Die Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg (CTZ) vermeldete für das Jahr 2025 insgesamt 3.866.470 Übernachtungen – ein minimales Plus von 0,1 Prozent bzw. 1.969 zusätzliche Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr. Die touristischen Ankünfte stiegen laut CTZ um 2,5 Prozent auf 2.147.101. Bemerkenswert ist der Dezember 2025: Mit 400.578 Übernachtungen und einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat wurde erstmals in einem einzelnen Monat die Marke von 400.000 Übernachtungen überschritten – ein historischer Höchstwert, der den bisherigen Spitzenreiter Juli 2025 ablöst.
Diese Stabilität ist vor dem Hintergrund des Messekalenders zu bewerten. 2025 war für Nürnberg turnusgemäß ein schwächeres Messejahr – mehrere international bedeutende Leitmessen fanden nicht statt. Dass das Rekordniveau dennoch gehalten werden konnte, macht die Aussagekraft des Ergebnisses deutlich.
CTZ-Geschäftsführerin Yvonne Coulin ordnet die Zahlen wie folgt ein:
„Die aktuellen Zahlen belegen die weiterhin stabile touristische Entwicklung Nürnbergs. Besonders die positive Entwicklung im Inland sowie die starken Leisure-Monate haben dazu beigetragen, das Rekordniveau des Vorjahres zu halten. Dass dies trotz eines turnusgemäß schwächeren Messejahres gelungen ist, unterstreicht die breite touristische Aufstellung der Stadt.“
Inlandsnachfrage hält die Bilanz stabil
Mit einem Anteil von 67 Prozent an den Gesamtübernachtungen bleibt Deutschland der mit Abstand wichtigste Quellmarkt für Nürnberg. Laut Stadt Nürnberg übernachteten rund 2,6 Millionen Inlandsgäste in der Frankenmetropole – ein Zuwachs von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Coulin hob explizit die Leisure-Monate als tragende Säule hervor.
Dieser Befund spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Laut Hotelier.de und dem Statistischen Bundesamt (Destatis) erzielte die Tourismusbranche in Deutschland 2025 mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Gesamtrekord – ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024. Die Inlandsübernachtungen stiegen dabei um 0,7 Prozent auf 413,7 Millionen. Nürnberg bildet diesen nationalen Inlandsaufwärtstrend nahezu deckungsgleich ab.
Für Hotelbetriebe mit klarer Ausrichtung auf deutschen Städtetourismus und Freizeitreisende bedeutet das: Die Nachfragebasis aus dem Inland erweist sich als belastbar – auch in Jahren mit dünnerem Messekalender.
Auslandsgäste: der deutliche Schatten
Auf der anderen Seite steht ein spürbarer Rückgang im internationalen Segment. Die Übernachtungen ausländischer Gäste sanken laut Stadt Nürnberg auf rund 1,3 Millionen (–2,1 Prozent), davon entfielen 872.274 Übernachtungen auf das europäische Ausland – ein Minus von 3,0 Prozent.
Die Rückgänge in einzelnen Märkten sind erheblich:
- Italien: –13,4 Prozent
- Polen: –11,6 Prozent
- USA (wichtigster Fernmarkt): –2,9 Prozent
Positive Ausreißer sind laut Stadt Nürnberg lediglich Österreich mit einem Plus von 2,7 Prozent und die Niederlande mit einem Plus von 2,2 Prozent.
Der Kontrast zum Vorjahr ist markant: 2024 hatten die Übernachtungen ausländischer Gäste noch um 14,6 Prozent auf 1.317.883 zugelegt – Italien etwa wuchs damals um 23,6 Prozent, die USA um 14,8 Prozent. Ein wesentlicher Faktor für den Rückgang 2025 dürfte laut CTZ im Messekalender liegen: Ohne die international bedeutenden Leitmessen fehlt ein zentraler Anreiz für ausländische Business-Gäste.
Dieser Effekt ist kein Nürnberg-spezifisches Phänomen. Deutschlandweit sanken die Übernachtungen ausländischer Gäste 2025 laut Destatis um 1,8 Prozent – der Wegfall der Fußball-Europameisterschaft 2024 als Sonderfaktor wird dabei ebenso genannt wie eine generell verhaltene internationale Reisedynamik. Der Anteil ausländischer Gäste am gesamten deutschen Gästeaufkommen fiel von 17,2 Prozent (2024) auf 16,8 Prozent (2025).
Wirtschaftsfaktor Tourismus und Marktposition
Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Nürnberg ist substanziell. Laut einer dwif-Studie im Auftrag der Stadt Nürnberg aus dem Jahr 2023 erzielt der Tourismus einen Bruttoumsatz von 2,36 Milliarden Euro und sichert ein Einkommen von 1,08 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 13 Prozent gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019. Übernachtungsgäste lassen pro Tag und Person im Schnitt 197,50 Euro in der Stadt. Nürnbergs Hotellerie verfügt über mehr als 8.750 Zimmer, verteilt über alle Kategorien.
Innerhalb des deutschen Hotelmarkts zählt Nürnberg zu den sogenannten B-Städten. Laut hotelvor9.de präsentierten sich diese Standorte 2025 weitgehend stabil, blieben jedoch deutlich unter dem nationalen RevPAR-Niveau (Revenue per Available Room, also der Erlös pro verfügbarem Zimmer) – der Abstand beziffert sich auf rund 16 Prozent. Deutschlandweit stand der RevPAR 2025 leicht unter Druck: Die Auslastung stieg zwar leicht, die durchschnittliche Zimmerrate (ADR) gab jedoch nach.
Für 2026 zeichnet sich nach CoStar-Daten laut AHGZ ein starker Start ab: Nürnberg wird als Maßstab unter den Top-10-Standorten im ersten Quartal 2026 hervorgehoben. Die CTZ setzt zudem mit der Kampagne „Nürnberg klingt nach!“ auf eine stärkere Positionierung über Musikfestivals – national wie international.
Einordnung für die Branche
Die Nürnberger Zahlen illustrieren ein Muster, das viele deutsche Messestandorte kennen: Ohne starken Messekalender leidet das internationale Business-Segment empfindlich, während der Freizeitreisende aus dem Inland die Lücke zumindest teilweise schließt. Für Hoteliers in vergleichbaren Städten bedeutet das: Eine breite Positionierung jenseits des Messegeschäfts – Kultur, Stadtreisen, Events – ist kein Luxus, sondern strukturelle Notwendigkeit. Nürnberg zeigt, dass diese Diversifizierung funktionieren kann. Sie ist aber kein vollständiger Ersatz für das internationale Volumen, das starke Messejahre bringen.
Auf der Kostenseite bleibt der Druck hoch. Die Insolvenz des Hotelbetreibers Revo (ehemals HR Group) Anfang 2026, die rund 140 Hotelgesellschaften betrifft, verdeutlicht, dass Wachstum allein keine Stabilität garantiert – gestiegene Lohn-, Miet- und Energiekosten können auch gut ausgelastete Häuser unter Druck setzen.
Quellen
- AHGZ – Hotelmarkt: Licht und Schatten in Nürnberg
- Hogapage – Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg, Übernachtungsstatistik 2025 (März 2026)
- Stadt Nürnberg / Rathaus – Tourismuszahlen 2025 (März 2026)
- Hotelier.de / Statistisches Bundesamt Destatis – Deutsche Übernachtungsstatistik 2025
- hotelvor9.de – B-Städte und RevPAR-Entwicklung Deutschland 2025 (Februar 2026)
- AHGZ – CoStar-Daten, Top-10-Hotelstandorte Q1 2026 (Mai 2026)
- Hotel Inside – Insolvenz Revo / HR Group (Februar 2026)
- Stadt Nürnberg / dwif-Studie – Wirtschaftsfaktor Tourismus 2023


