Montag, 20. Juli 2026
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Technologie

Radisson gleicht OTA-Preise automatisch in Echtzeit ab

Hotelmitarbeiterin prüft Buchungspreise auf einem Tablet an der Rezeption eines modernen Hotels
Symbolbild · KI-generiert

Die Radisson Hotel Group ersetzt ihre bisherige Bestpreisgarantie durch ein vollautomatisches KI-System, das Preise auf externen Buchungsplattformen in Echtzeit erkennt und direkt auf RadissonHotels.com angleicht. Für Gäste entfällt damit der manuelle Reklamationsprozess – für Hotelteams der administrative Aufwand der Antragsbearbeitung.

Was ist passiert?

Am 2. und 3. Juli 2026 hat die Radisson Hotel Group in Brüssel das Feature „Price Matching“ global gelauncht, wie Travel Professional News und punkt-pr.de berichten. Die Funktion gilt weltweit für alle zehn Marken der Gruppe – von Radisson Individuals bis zur Radisson Collection –, laut gast.at / ÖGZ also für das gesamte Markenportfolio, das neben den namensgebenden Radisson-Marken auch Park Plaza, Park Inn by Radisson, Country Inn & Suites by Radisson, art’otel und Prize by Radisson umfasst.

Die Gruppe betreibt laut Hospitality Net über 1.575 Hotels in mehr als 100 Ländern mit starker EMEA-Präsenz – die Relevanz für den DACH-Markt ist damit unmittelbar gegeben.

Wie funktioniert das System konkret?

Das KI-System überwacht kontinuierlich öffentlich verfügbare Preise auf externen Buchungsplattformen und Metasuchmaschinen wie Google Hotels. Erkennt es einen niedrigeren, buchbaren und vergleichbaren Preis, prüft es automatisch dessen Legitimität – und übernimmt ihn in Echtzeit auf RadissonHotels.com. Der Gast wird direkt auf die Hotelwebsite mit dem angepassten Preis weitergeleitet und kann seine Buchung dort abschließen, ohne zusätzliche Schritte.

Laut punkt-pr.de entfällt damit der bisher übliche Prozess: kein Screenshot, kein Formular, keine Wartezeit auf eine nachträgliche Prüfung. Laut Hotel Technology News umfasst das System derzeit die großen OTAs (Online-Reisevermittler) und Reiseplattformen, darunter Booking.com, Expedia, Hotels.com, Agoda, Priceline, Trip.com und MakeMyTrip.

Global Chief Commercial Officer Gianni Di Fede begründet den Schritt gegenüber aboutTravel.ch so:

„Reisende erwarten heute Schnelligkeit, Einfachheit und Gewissheit, wenn sie ein Hotel buchen. Mit dem automatischen Preisabgleich möchten wir Gästen, die direkt bei uns buchen, die Sicherheit geben, dass sie nicht anderswo nach einem besseren Angebot suchen müssen.“

Und laut Hospitality Net ergänzt Di Fede: „Durch die Automatisierung des Prozesses in Echtzeit machen wir das direkte Buchen einfacher und transparenter und liefern gleichzeitig einen Mehrwert für Gäste und Hotelpartner.“

Hintergrund: Warum dieser Schritt, und warum jetzt?

Bestpreisgarantien sind in der Hotellerie seit Jahren ein Standardversprechen – aber ein reaktives. Marriott, Hilton, Hyatt und IHG verlangen von Gästen, einen günstigeren Preis selbst zu finden, ihn zu dokumentieren und innerhalb von 24 Stunden nach der Buchung einen Anspruch einzureichen, der dann manuell geprüft wird. Dieses Modell, so Hotel Technology News, wurde für eine frühere Phase des Online-Buchungsverhaltens entwickelt. Heute vergleichen Reisende Preise über Markenseiten, OTAs, Metasuche, Treueprogramme und Apps innerhalb von Sekunden – ein Prozess, der ein Formular und eine Wartezeit erfordert, hält kaum jemanden davon ab, die Markenseite beim Preisvergleich zu verlassen.

Radisson reagiert darauf mit einem proaktiven, automatisierten Modell. Laut Hospitality & Catering News ist „Price Matching“ Teil einer übergeordneten Digitalstrategie, die auf KI-Integration, Automatisierung und den Ausbau des Direktbuchungskanals ausgerichtet ist. Der wirtschaftliche Hintergrund ist bekannt: OTA-Provisionen liegen branchenweit typischerweise zwischen 15 und 25 Prozent des Zimmerpreises. Jede Buchung, die über die eigene Website abgewickelt wird, verbessert die Marge direkt – und stärkt die Datenbasis für Revenue-Management-Entscheidungen.

Technologieanbieter wie Triptease bieten vergleichbare automatisierte Price-Match-Funktionen bereits für unabhängige Hotels und kleinere Gruppen an, wie Hotel Technology News berichtet. Radisson ist jedoch eine der ersten großen internationalen Hotelgruppen, die ein solches System vollständig in die eigene Buchungsstrecke integriert und konzernweit ausrollt.

Was bedeutet das für Hoteliers?

Für Hotelteams innerhalb des Radisson-Systems bedeutet die Umstellung zunächst eine operative Entlastung: Der vollautomatische Prozess eliminiert laut Hospitality Net den administrativen Aufwand der manuellen Bearbeitung von Preisabgleichsansprüchen. Mitarbeitende gewinnen Kapazitäten für andere Aufgaben. Gleichzeitig liefert das System bessere Transparenz über Preisperformance und Gästeverhalten – Daten, die für die Steuerung von Direktbuchungsstrategien und den ADR (Average Daily Rate, durchschnittlicher Tagespreis) relevant sind.

Für den breiteren Markt – also auch für unabhängige Hotels und andere Gruppen – ist der Launch ein Signal: Die manuelle Bestpreisgarantie als Marketingversprechen verliert an Glaubwürdigkeit, wenn Technologie denselben Effekt proaktiv und ohne Reibung für den Gast leisten kann. Hoteliers, die ihren Direktbuchungskanal stärken wollen, werden zunehmend prüfen müssen, ob ihre eigene Buchungstechnologie mithalten kann – ob über eigene Systeme oder über Drittanbieter.

Dass eine Gruppe mit über 1.575 Hotels und starker EMEA-Präsenz diesen Schritt konzernweit umsetzt, dürfte den Druck auf Mitbewerber erhöhen, ähnliche Lösungen zu entwickeln oder einzukaufen. Die Messlatte für Preistransparenz im Direktkanal wird damit neu gesetzt.

Quellen

Thema Technologie

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.