Sonntag, 19. Juli 2026
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COTP übernimmt Revo-Rohbau in Kassel – Eröffnung März 2027

Die Chocolate on the Pillow Group übernimmt das noch im Bau befindliche Holiday Inn Express Kassel mit 176 Zimmern – das dritte Objekt aus der Revo-Insolvenzmasse.

Rohbau in Kassel: Bauarbeiter mit Planrolle auf unfertigem Stockwerk, freistehende Betonstützen im Gegenlicht
Symbolbild · KI-generiert

Die Chocolate on the Pillow Group (COTP) hat einen Miet- und Franchisevertrag für das Holiday Inn Express Kassel unterzeichnet, ein Haus, das noch nicht steht. Der Rohbau in der Kurfürstenstraße läuft, die Eröffnung ist laut tophotel.de für März 2027 geplant. Es ist das dritte Objekt, das COTP aus der Insolvenz der Revo Hospitality Group übernimmt, und das erste mitten in der Bauphase.

COTP steigt in den laufenden Bau ein

Die beiden vorherigen Revo-Übernahmen von COTP betrafen fertige Häuser. In Kassel existiert der Betrieb noch nicht. COTP begleitet die Fertigstellung gemeinsam mit dem Eigentümer, der Volksbank Kassel Göttingen. Nach Angaben von it-boltwise sollte der Rohbau bis Weihnachten 2025 stehen, das Richtfest war laut jb-gewerbeimmobilien für Januar 2026 vorgesehen.

Das Objekt entsteht in der Kurfürstenstraße nahe dem Hauptbahnhof. Laut tophotel.de soll es 176 Zimmer bekommen, darunter 44 Longstay-Suiten, dazu vier Konferenzräume und 16 Tiefgaragenstellplätze. Frühere Planungsberichte von Hotel vor9 nannten 130 Zimmer plus 44 Serviced Apartments, die 176 Zimmer sind der jüngere Stand. Rund 80 weitere Parkplätze stehen im Parkhaus der Bank bereit.

Bauherrin bleibt die Volksbank Kassel Göttingen. Sie errichtet das Gebäude direkt neben ihrer Hauptgeschäftsstelle, hält es im Eigenbestand und nutzt laut jb-gewerbeimmobilien rund 1.000 Quadratmeter für eigene Seminar- und Veranstaltungsflächen. Die Investitionssumme beziffert Hotel vor9 auf rund 40 Millionen Euro.

COTP-CEO Erik Florvaag verweist auf frühere Erfahrung mit unfertigen Objekten. Die Übernahme eines Projekts in der Realisierungsphase habe die Gruppe bereits beim Tribe in Baden-Baden gezeigt. Zur Größenordnung sagt er: „[…] Wir kommen damit auf über 6.000 Zimmer in 34 Hotels – acht davon haben wir allein im vergangenen Jahr im laufenden Betrieb übernommen, vier weitere befinden sich im Bau.“

Success raus, COTP rein: die Kasseler Vorgeschichte

Ursprünglich sollte die Revo-Tochter Success Hotel Group das Haus betreiben, wie WLZ und jb-gewerbeimmobilien berichteten. Der Wechsel ist eine direkte Folge der Revo-Insolvenz. Das Gebäude blieb, der Mieter wurde ausgetauscht.

Wie kurzfristig sich die Lage drehte, zeigt die Reaktion der Bank zu Jahresbeginn. Laut jb-gewerbeimmobilien erklärte die Volksbank Kassel Göttingen im Januar 2026, sie habe keine Kenntnis von einer Insolvenz des Mieters. Zugleich gab sie sich zuversichtlich: „Vor dem Hintergrund der weiteren Beteiligten, insbesondere der Franchise-Geber der Marke Holiday Inn Express & Suites und die IHG Hotel Ltd., sehen wir die planmäßige Eröffnung des Hotels im Vorfeld der documenta im Frühjahr 2027 aktuell nicht als gefährdet an. Alle Baumaßnahmen liegen voll im Plan.“ Die Eröffnung steht weiter, mit COTP statt Success als Betreiber.

Die Revo-Abwicklung und wer sich woraus bedient

Der Fall gehört zu einer der größten Hotelinsolvenzen der jüngeren DACH-Geschichte. Laut helloguest stellte die Revo Hospitality Group am 16. Januar 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg für rund 140 Gesellschaften einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Betroffen waren etwa 125 Hotels in Deutschland und Österreich mit rund 5.500 Beschäftigten. Hotel vor9 zufolge wurden die Verfahren inzwischen für 175 Hotels in Eigenverwaltung eröffnet.

Als Ursache gilt die schnelle Expansion. Die Gruppe, bis April 2025 unter dem Namen HR Group firmierend, wuchs laut Hotel vor9 seit 2020 von 51 auf rund 250 Hotels. North Data zufolge, zitiert vom Handelsblatt, schrieb der Konzern bei zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz seit 2014 keine Gewinne mehr und war zuletzt mit 19,9 Millionen Euro überschuldet. Ein Frühwarnzeichen setzte laut Hotel vor9 Anfang Januar 2026 Accor mit der Sperrung von Buchungssystemen zahlreicher Revo-Häuser.

Die Käuferliste zeigt ein Muster. Motel One übernahm laut Hogapage zum 1. Juni 2026 zwei fertige Häuser in Kiel. Primestar sicherte sich laut Tophotel ein bestehendes Serviced-Apartment-Objekt in Berlin für sein June-Stay-Portfolio. Israel Canada Hotels übernahm fünf Revo-Häuser. Alle diese Deals betreffen laufende Betriebe. Kassel ist der erste bekannte Fall aus der Projektpipeline.

Was das für die Branche heißt

Der Kassel-Deal erweitert das Bild der Revo-Abwicklung um die Projektpipeline. Aus der Insolvenzmasse sind nicht nur ertragsstarke Bestandshäuser zu haben, sondern auch angefangene Bauvorhaben mit bereits gesetztem Standort, Marke und Bauherrn. Wer über Expansion nachdenkt, sollte die Verwerterliste breiter lesen. Gefragt sind Betreiber, die einen Rohbau bis zur Eröffnung führen können.

Für Bestandshalter und Banken mit Hotelimmobilien im Portfolio liefert der Fall ein praktisches Beispiel. Fällt der vorgesehene Betreiber aus, scheitert das Objekt nicht, wenn Eigentümer und Franchisegeber im Boot bleiben. Die Volksbank Kassel Göttingen hielt das Gebäude, IHG hielt die Marke, der Betreiber wurde ersetzt. Diese Trennung von Immobilie, Marke und Betrieb wirkt im Krisenfall als Sicherheitsnetz.

Kassel als Standort ist erklärbar. COTP positioniert das Haus laut tophotel.de als erste internationale Hotelmarke der Stadt, in der große Ketten bislang kaum vertreten sind, obwohl dort ein VW-Werk, SMA Solar Technology sowie ein Rüstungscluster um KNDS und Rheinmetall sitzen. Zusätzlichen Schub verspricht die Documenta 16, die vom 12. Juni bis 19. September 2027 stattfindet. Die Eröffnung im März 2027 fällt in die Monate direkt davor.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.